Aktuelle Forschungsprojekte
1. “Hate Speech in India: Judicial Politics of History and Memory,” gefördert durch den Leverhulme Trust (Sandhya Fuchs)
Das Projekt untersucht, wie Richterinnen und Richter, sowie weitere juristische Akteure am Obersten Gerichtshof in Indien historische Narrative, kollektive Erinnerungen und zeitliche Deutungsrahmen mobilisieren, wenn sie Hassrede gegen sozial und religiös marginalisierte Gemeinschaften beurteilen.
2. “The Fragile Life of the Atrocities Act: Seeking Justice against Caste Crimes,” gefördert durch die Wenner-Gren Foundation und den Leverhulme Trust (Sandhya Fuchs)
Gestützt auf langjährige Feldforschung mit Überlebenden von Kastengewalt (caste atrocities), Menschenrechts-NGOs, Polizei und Justiz untersucht das Projekt, wie Dalit-Gemeinschaften im indischen Bundesstaat Rajasthan das einzige Gesetz Indiens gegen Hasskriminalität deuten und mobilisieren: den Scheduled Castes and Scheduled Tribes (Prevention of Atrocities) Act von 1989 (PoA). Es zeigt, dass sich der PoA unter Überlebenden von Kastengewalt zu einem Projekt des rechtlichen Meliorismus (legal meliorism) entwickelt hat: die Vorstellung, dass beharrliche und kreative juristische Arbeit die repressiven Verhältnisse, die das Leben von Dalits prägen, schrittweise verbessern kann. Jenseits von Statistiken und juristischen Argumenten nutzt das Projekt die Perspektive persönlicher Erzählungen, um offenzulegen, wie rechtliche Verfahren mit politischen und geschlechtsspezifischen Vorstellungen von Gerechtigkeit für Kastengewalt zusammenwirken und kollidieren, und dabei auch neue Kontroversen, Ungleichheiten und Hoffnungen hervorbringen.
3. “Technical Mutations in the Kaghazi Raj (Paper State): Law in Digital India,” gefördert durch die New York University (Shikhar Goel)
Das Projekt zeichnet Prozesse der Neuausrichtung und des Aushandelns nach, die sich vollziehen, während der indische Staat digitale Technologien in die alltägliche, papiergesättigte Arbeit von Ermittlung, Dokumentation und Rechtsprechung integriert. Das Projekt stützt sich auf mehr als zweijährige multilokale ethnografische Feldforschung in Indischen Institutionen der Strafverfolgung, darunter Polizeistationen in Distrikten Nordindiens, forensische Labore der Bundesstaaten, erstinstanzliche Gerichte, die Terrorismusverfahren verhandeln, sowie der Oberste Gerichtshof Indiens.