Guest Talk by Pratap Bhanu Mehta on 19.06.2026 Discussion on the State of India's Democracy
Am 19. Juni 2026 fand am Südasien-Institut der Universität Heidelberg – organisiert vom Institut für Politische Wissenschaft – ein informelles Rundgespräch über den Zustand der indischen Demokratie statt. Als Gastredner fungierte Professor Pratap Bhanu Mehta, während Professor Rahul Mukherji, Inhaber des Lehrstuhls für Moderne Politik Südasiens, die Veranstaltung moderierte; an der Diskussion nahm zudem eine ausgewählte Gruppe von Studierenden und Wissenschaftlern teil.
Professor Mehta bezeichnete die gegenwärtige Lage des demokratischen Systems in Indien als beispiellos und beleuchtete die Belastungen, denen Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Institutionen des Landes ausgesetzt sind; keine frühere Regierung habe sich derart rücksichtslos verhalten. Da ein Machtverlust schwerwiegende Folgen nach sich ziehen würde, habe die amtierende Regierung die Politik in einen Existenzkampf statt in einen gewöhnlichen politischen Wettbewerb verwandelt. Als Instrument zur Manipulation von Wahlen führte Pratap Bhanu Mehta die von der indischen Wahlkommission im Jahr 2026 durchgeführte „Special Intensive Revision“ (SIR) der Wählerverzeichnisse in Assam und West Bengal an – ein Verfahren, das vom Obersten Gerichtshof Indiens gebilligt worden war. Er fügte hinzu, dass die bisherige Annahme eines Gleichgewichts zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen nicht mehr zutreffe: Das rechte Lager in Indien habe die Identitätspolitik sowie den Aufbau von Netzwerken an der Basis perfektioniert – gestützt durch eine starke Kontrolle über die Informationslandschaft und die Medien –, während Linke und politische Mitte Schwierigkeiten hätten, Schritt zu halten. Auf die Ausführungen von Professor Mehta folgte eine Fragerunde mit den Studierenden, an die sich ein informeller, offener Austausch zwischen Lehrenden und Teilnehmenden anschloss. Die Veranstaltung endete mit einem Schlusswort von Professor Rahul Mukherji.
