Forschungsprojekte
Das Ausloten kultureller Asymmetrien: Asiatische Satire und Identitätssuche während des Kolonialismus & Imperialismus
Forschungsprojekt: B1 - Satire, des Exzellenzcluster "Asia and Europe in a Global Context"Zusammenfassung:
Dieses Projekt untersucht die Satireproduktion in Süd-, Ost-, und Westasien während der Hochphase des europäischen Kolonialismus und Imperialismus, also im 19. und frühen 20. Jh. Satire wird hier betrachtet als ein kommunikatives Mittel zum Ausloten kultureller Asymmetrien. Denn gerade der satirische Ausdrucksmodus, so die Prämisse, ist besonders geeignet, um die verschiedenen Verwerfungen zu erfassen, die traditionellen asiatischen Kulturen im Zuge ihres asymmetrischen Kontakts mit Europa widerfuhren. Satire ist eine im Grunde moralistische Ausdrucksform, und sie ist kaum möglich ohne irgendeine Aussage - wie versteckt sie auch sein mag - darüber, wie die Welt sein sollte. Durch unsere Untersuchung asiatischer Satire hoffen wir, Text- und Bildmaterial zu sichten, dem gemeinhin der Eingang in die entsprechenden literarischen Kanones verweigert wird, und die Identitäten bzw. Zentren der Schwerkraft zu finden, um welche die Satiriker ihre zeitgenössischen Wirklichkeiten kreisen ließen.
Projektmitglieder aus der Abteilung
Dauer
Jul 2008 - Nov 2011Finanzierung
Exzellenzcluster: "Asia and Europe"Schlagworte
Satire; Bengali; Hindi; Marathi; Kolonialzeit
Weiterführende Informationen
ProjektseiteDer Umgang mit transkulturellen Öffentlichkeiten: Tamilsprachige Muslime im kolonialen Singapur
Forschungsprojekt: B13 - Tamilsprachige Muslime, des Exzellenzcluster "Asia and Europe in a Global Context"Zusammenfassung:
Als Heimat für verschiedenste Völker aus Südost-, Ost- und Südasien, dem Mittleren Osten und Europa und als Knotenpunkt der Zirkulation von Gütern, Menschen, Ideen und Informationen zwischen 'Ost' und 'West' spielt Singapur in den kulturellen Austauschprozessen zwischen Asien und Europa eine wichtige Rolle. Zwischen 1819 und 1942 entwickelte sich Singapur von einer kleinen Hafenstadt zu einer der kosmopolitischsten Städte im britischen Empire. Die Vielfalt der Bevölkerung zwang viele Gemeinschaften schon bald, sich nicht nur untereinander, sondern auch miteinander und mit dem Kolonialstaat zu verständigen. Dies führte zur Entstehung von zahlreichen, in Wechselbeziehung stehenden Öffentlichkeiten, deren Beziehung zueinander von starken Asymmetrien gekennzeichnet war.
Ziel dieses Projekts ist es, herauszuarbeiten, wie ein bestimmtes, räumlich und gesellschaftlich mobiles Segment der singapurischen Bevölkerung, nämlich tamilsprachige Muslime aus Südindien, mit Singapurs diversen Öffentlichkeiten umging und welche Rolle sie in der lokalen Umsetzung internationaler transkultureller Austauschprozesse spielten.
Projektmitglieder aus der Abteilung
Hans Harder, Torsten Tschacher
Dauer
Aug 2009 - Jul 2012Finanzierung
Exzellenzcluster: "Asia and Europe"Schlagworte
Tamilsprachige Muslime; Singapur; Kolonialzeit
Weiterführende Informationen
ProjektseiteHöfische Rituale im Fürstentum Jaipur und deren Neuauflage in der Gegenwart
Teilprojekt: B5, der Forschungseinrichtung SFB „Ritualdynamik“Zusammenfassung:
Untersuchungsgegenstand ist das Hofritual des Königtums Jaipur (Rajasthan/Indien) in einem Zeitraum vom 18. Jh. bis zur Auflösung des Staates und dessen Eingehen in die Republik Indien im Jahre 1949 sowie der Vollzug der mutierten Version dieses Rituals in der Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen die Funktion des Rituals sowie die Faktoren für seinen Wandel, der Charakter der Wandlungsprozesse sowie dessen Akteure. Ausgegangen wird von der Annahme, dass das Hofritual strukturgebender Bestandteil des Herrschaftssystems ist. Es vermittelt Herrschaftslegitimität und sichert Loyalität zum Herrscher. Die Untersuchung der Herrschaftslegitimation im Königtum Jaipur wird abschließend zum einen auf Aspekte der externen Legitimation ausgedehnt, indem die zeremonielle Gestaltung des Umgangs mit Fremden, europäischen Gesandten, jesuitischen Priestern und den British Residents im 18. und frühen 19. Jh. untersucht wird. Zum anderen werden die in Jaipur vollzogenen jährlichen Feste zur Bestätigung der Königsherrschaft (daśaharā, vijayadaśamī) bearbeitet, um davon ausgehend eine mögliche Übernahme königlicher Rituale aus Vijayanagara nach Rajasthan zu analysieren. Für die unmittelbare Gegenwart soll für ausgewählte Festereignisse, in denen Hofzeremoniell und religiöses Ritual aktiviert werden, die Ritualdynamik untersucht und die Stimmen der Akteure, die an dieser Dynamik aus unterschiedlicher Interessenlage und Sichtweise beteiligt sind, dokumentiert werden. Hierbei wird zu fragen sein nach der Funktionsbestimmung des Rituals nach Wegfall des Staates, welchen es zu tragen hatte.
Projektmitglieder aus der Abteilung
Monika Boehm-Tettelbach, Jörg Gengnagel, Kerstin Sobkowiak
Dauer
Jul 2009 – Jun 2013Finanzierung
SFB „Ritualdynamik“, Teilprojekt B5Schlagworte
Höfische Rituale; Legitimation; Königtum; Krönung
Weiterführende Informationen
ProjektseitePraktisches Lehrbuch des Hindi
Zusammenfassung:
Hindi bolo. Hindi für Deutschsprachige. Teil 1.
Das mit Frau Dr. Ines Fornell (Univ. Göttingen) erstellte Lehrbuch wird aller Wahrscheinlichkeit im Herbst 2010 erscheinen. Es orientiert sich in seiner konzeptionellen Struktur vor allem an den Bedürfnissen von Anfängern. Nach einer Einführung in die Lautlehre und die Devanagari-Schrift werden in 9, im Schwierigkeitsgrad aufeinander aufbauenden, Lektionen die Grundlagen der Grammatik sowie ein Basisvokabular des Hindi vermittelt. Die systematische Darstellung der Grammatik wird durch umfangreiche sprachpraktische Übungen, lebensnahe Dialoge aus unterschiedlichen Alltagssituationen sowie kurze Texte, die zugleich einige landeskundliche Kenntnisse vermitteln, ergänzt. Ein Anhang mit Übersichtsdarstellungen zur Grammatik, ein Hindi-Deutsch- sowie Deutsch-Hindi-Glossar und ein Index sollen eine optimale Orientierung ermöglichen. Der Gesamtumfang des Lehrbuchs wird bei ca. 500 Seiten liegen. Die Einspielung einer ergänzenden Audio-CD mit der Wiedergabe der Dialoge und Texte durch Hindi-Muttersprachler wird angestrebt.
Projekt Team
Dauer
Beendet Oktober 2010Materialienhandbuch Hindi-Literatur des 20. Jahrhunderts
Zusammenfassung:
Ziel des vorliegenden Projektes ist es, bedeutende literaturtheoretische Essays namhafter Schriftsteller und Kritiker zur Hindi-Erzählprosa, ihrer Entwicklung und ihren verschiedenen Strömungen zu übersetzen und als kommentierte Anthologie zu publizieren.
Projekt Team
Dauer
Sommer 2010 - Sommer 2011Finanzierung
freifinanziertSchlagworte
Hindi; Literaturtheorie; Prosa; 20. Jahrhundert
Kooperation mit dem Urban History Documentation Archive of the Centre for Studies in Social Sciences, Calcutta (CSSSC)
Weiterführende Informationen
ProjektseiteGrenzen, Rituale und Reflexivität
Teilprojekt: A8, der Forschungseinrichtung SFB „Ritualdynamik“Zusammenfassung:
Im Kontext der Globalisierung haben viele Wissenschaftler das Aufkommen einer „borderless world of flows” postuliert, in der Identität nicht länger in Begriffen überholter nationalstaatlicher Modelle verstanden wird. Dies scheint jedoch ein eurozentristischer Blickwinkel zu sein. In Asien, Afrika und anderswo hat die Bedeutung von Grenzen und der mit ihnen verbundenen Rituale in den vergangenen Jahrzehnten nicht ab-, sondern zugenommen. Dies gilt insbesondere für Südasien. Gleichzeitig wurden in Indien viele Grenzen aus der Zeit vor der Unabhängigkeit zusammen mit den „princely states“ abgeschafft, so dass die dazugehörigen Rituale verkümmerten oder letztlich ganz verschwanden. Unsere zentrale Frage ist: „Wie beeinflusst das Setzen oder die Beseitigung von Grenzen und die mit ihnen assoziierten Rituale den reflexiven Prozess der Identitätskonstruktion unter den Grenzbewohnern?” Hierzu werden vor allem drei Ritualsysteme miteinander verglichen: (1) das Pilgerwesen um Hinglaj Devi, deren Tempel sich in Baluchistan/Pakistan befindet, (2) der Tempel von Sitakunda in Bangladesh, und (3) ein Ritualsystem im Zentralhimalaya, das gerade die Abschaffung der bisherigen Ritualgrenzen erfährt.
Bei der ersten unserer drei Fallstudien handelt es sich um den Tempel der hinduistischen Göttin Hinglaj, der im heutigen Baluchistan liegt. Nach der Teilung 1947 wurde es nahezu unmöglich für Hindus, die Pilgerfahrt durchzuführen. Dies war insbesondere schwierig für bestimmte Gruppen, denen die Pilgerfahrt als “heilige Pflicht” galt. Wie jedoch reagierten solche Gruppen auf die Schließung der Grenze? Die zweite Fallstudie behandelt Sitakunda, einen dem hinduistischen Gott Shiva geweihten Tempelkomplex in Chittagong, welcher als einer der wichtigsten zeitgenössischen hinduistischen Schreine in dem überwiegend muslimischen Land Bangladesch gilt. Die dritte Fallstudie konzentriert sich auf eine Gegend im Zentralhimalaya, traditionell unterteilt in eine Reihe kleiner Territorien, die jeweils ein Gott mittels seines Orakels regierte. Die Grenzen dieser „divine kingdoms“ wurden rituell bestimmt (z.B. durch Prozessionen und Opfer) und mit Gewalt verteidigt. In den Folgejahren der Unabhängigkeit haben diese Grenzen mehr und mehr an Bedeutung verloren, und heute treffen sich ehemalige Blutfeinde, um gemeinsam „heritage-rituals“ zu veranstalten, Heiratsallianzen zu schließen oder wahlpolitische Strategien zu entwickeln, was Inhalt und Bedeutung von Prozessionen, Opfern und anderen Ritualen dramatisch verändert hat.

