Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Große Exkursion Garhwal und Kumaon 2008

"Strukturen & Entwicklungsprozesse im zentralen Himalaya"

Unter der Leitung von Prof. Dr. Marcus Nüsser und Dr. Susanne Schmidt führte im September 2008 eine große Exkursion nach Kumaon und Garhwal (Uttarakhand, Nordindien). Entsprechend der übergeordneten Thematik "Strukturen und Entwicklungsprozesse im zentralen Himalaya" wurden naturräumliche und entwicklungsrelevante Probleme behandelt, die zuvor im semesterbegleitenden Hauptseminar thematisiert worden waren. Ein Fokus der Exkursion lag auf den sozio-ökonomischen und ökologischen Entwicklungen und Folgen von Staudammprojekten im Exkursionsgebiet. Die Exkursionsroute führte von der Hauptstadt Delhi durch das Tiefland über Tehri (Garhwal) und Nainital (Kumaon) in das Gori Ganga-Tal, welches an der indisch-tibetischen Himalaya-Grenze gelegen ist.

Nach der Ankunft in Delhi stand zunächst ein Besuch des Geographischen Instituts an der Jawaharlal Nehru University (Delhi) auf dem Programm. Dieses Treffen war von Prof. Dr. Harjit Singh und Dr. Milap Chand Sharma organisiert worden und ermöglichte den Informationsaustausch über Studienprogramme und Forschungsprojekte. In den folgenden Tagen wurde das Tiefland Richtung Tehri (Garhwal) passiert, wo M.A. Hanna Werner von der Abteilung für Geschichte des SAIs eine Führung am Tehri-Staudamm organisiert hatte. Auf dem Weg von Tehri nach Munsiari diente ein zwei-tägiger Aufenthalt in Nainital dem Besuch des Geographischen Instituts der Kumaon University. Prof. Dr. Prakash Tiwari gab dort einen Einblick in die typischen Entwicklungsprozesse, denen Hillstations wie Nainital derzeit unterliegen. Auf der weiteren Fahrt nach Munsiari wurden historische und aktuelle Ressourcennutzungssysteme - wie z. B. die koloniale Nutzung der Sal-Wälder und die rezente Bewirtschaftung der Pinus-roxburghii-Wälder - und die damit einhergehenden Veränderung der Vegetationsverteilung behandelt. Weiterhin konnten die Hintergründe der historischen und aktuellen Entwicklung der verkehrstechnischen Erschließung des Raumes und deren Herausforderungen vor Ort diskutiert werden. In Munsiari, einem regionalem Mittelzentrum, übernachteten die Studierenden im Rahmen eines Homestay-Programms bei lokalen Familien, womit ein vertiefter Einblick in die Kultur und das Alltagsleben gewährleistet wurde. Die Zielsetzung, Entwicklung und Potentiale dieses Projekts zur Förderung des nachhaltigen Tourismus, das von der Sarmoli-Jaiti Van Panchajat Community gegründet wurde, sowie die Funktion und Struktur des Van Panchajat wurden von Malika Virdi vermittelt und mit den Exkursionsteilnehmern diskutiert.

Die weitere Exkursionsroute führte in das Gori-Ganga Tal, ein Untersuchungsgebiet der Arbeitsgruppe, in dem seit 2004 Arbeiten durchgeführt werden und durch das bis zur Grenzschließung eine wichtige Handelsroute verlief. Zukünftige Pläne für das Tal sehen den Bau von Staudämmen vor, um somit Energie für das Tiefland zu produzieren. Die Pläne, erste Baumaßnahmen sowie die politischen Abläufe zur Realisierung des Projektes wurden von K. Ramnarayan vorgestellt und die ökologischen Auswirkungen des geplanten Projektes kritisch reflektiert. Der direkte Vergleich eines geplanten und bereits realisierten Staudammprojektes verdeutlichte eindrucksvoll die ökologischen, geomorphologischen und hydrologischen Auswirkungen solcher Großprojekte. Im Rahmen der 14-tägigen Wanderung durch das Gori Ganga Tal wurden Themen wie Vegetationsverteilung, Biodiversität, Gletscherrückgang, glaziale Formenschatz und Landnutzungswandel im Hochgebirge behandelt.