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Tibetisch

Tibetisch gehört dem tibeto-burmesischen Zweig der sino-tibetischen Sprachfamilie an und ist die Alltagssprache von etwa sechs Millionen Menschen in der Tibetischen Autonomen Region (Xizang) und anderen zu großen Teilen kulturell tibetisch geprägten Provinzen der chinesischen Republik (Qinghai, Sichuan, Gansu). Darüber hinaus ist das Tibetische (in Form von verschiedenen Dialekten) die hauptsächlich verwendete Sprache in Bhutan; es wird auch von bestimmten Bevölkerungsgruppen im nördlichen Nepal, Indien (Sikkim, Kaschmir, Himachal Pradesch) sowie tibetischen Gemeinden in der Diaspora (vorwiegend in Indien, Nepal, den USA und verschiedenen europäischen Ländern) gesprochen.

Die tibetische Umgangssprache umfasst zahlreiche (über 220), heutzutage oft gegenseitig nicht verständliche Dialekte. Anhaltspunkte für einen gemeinsamen Ursprung dieser Dialekte finden sich in der Sprache der Dokumente aus der Zeit des tibetischen Reiches (7. – 9. Jh. n. Chr.). Unter den heute verwendeten Dialekten haben zentraltibetische nicht nur in Tibet, sondern auch in tibetischen Gemeinschaften im Exil eine gewisse Vormachtstellung erlangt.

Tibetische Literatur in all ihren Formen geht zurück auf das 7. Jh., als die Sprache in einer Schrift, die bis zum heutigen Tag in Gebrauch ist, niedergeschrieben wurde. Klassisches Schrifttibetisch (das, wie auch die Dialekte der gesprochenen Sprache, auf das tibetische Reich zurückgeht) diente gebildeten Tibetern als stabiles Kommunikationsmedium, über dialektale Grenzen hinweg. Die außerordentlich umfangreiche Literatur Tibets umfasst nicht nur die religiöse und philosophische Literatur des Buddhismus und der Bön-Tradition, sondern auch eine enorme Menge an Texten aus nicht unmittelbar religiösen Kontexten wie Historiographie, Recht und Medizin, sowie schließlich auch Epik, Dichtung und schöngeistige Literatur.

Auf Grund der großen Unterschiede in Grammatik, Lexik und anderen Bereichen werden klassisches Tibetisch und tibetische Umgangssprache getrennt unterrichtet. Der Unterricht im klassischen Tibetisch dient der Qualifikation zum selbstständigen Umgang mit einer Vielzahl von schriftlichen Quellen. Der Unterricht in der tibetischen Umgangssprache führt die Studierenden in den zentraltibetischen Dialekt ein und vermittelt passive und aktive Kommunikationskompetenz.



Literatur:
  • Jonathan Samuels, Colloquial Tibetan: Routledge Colloquial Series (forthcoming)
  • Nicolas Tournadre, Sangda Dorje: Manual of Standard Tibetan. Ithaca, NY: Snow Lion Publications, 2003
  • Stephan Beyer, The Classical Tibetan Language. Albany: State University of New York Press, 1992
  • Michael Hahn, Lehrbuch der klassischen tibetischen Schriftsprache. Swisttal-Odendorf: Indica-et-Tibetica-Verlag, 1996
  • Peter Schwieger, Handbuch zur Grammatik der klassischen tibetischen Schriftsprache. Halle: International Institute for Tibetan and Buddhist Studies GmbH, 2006
  • Christine Sommerschuh, Einführung in die tibetische Schriftsprache. Lehrbuch für den Unterricht und das vertiefende Selbststudium. Norderstedt: BoD-Verlag, 2008

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