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Prof. Dr. Axel Michaels

Prof. Dr. Axel Michaels

Senior Professor und Ehemaliger Leiter der Abteilung Kultur- und Religionsgeschichte Südasiens (Klassische Indologie) 1996 - 2016, Südasien-Institut der Universität Heidelberg

Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Universität Heidelberg

Leiter der Forschungsstelle „Religions- und rechtsgeschichtliche Quellen des vormodernen Nepal”

Direktor des Exzellenzclusters "Asia and Europe" (Profilseite)

Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereichs 619 "Ritualdynamik" an der Universität Heidelberg (2002 - 2013)

Sprecher des DFG-Kollegiums 106 "Ethnologie, Religionswissenschaft, Außereuropäische Kulturen" (2004 - 2011)

Sprecher der Sektion Indologie der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (2001 - 2004)

Ordentl. Professor für Klassische Indologie, Südasien-Institut der Universität Heidelberg (seit 1996)

Forschungsprojekte

Stand: Oktober 2015

1. Religions- und rechtsgeschichtliche Quellen des vormodernen Nepal

Finanzierung: Union der Akademien. Beginn: Januar 2014
Mitarbeiter: Dr. Astrid Zotter, Christof Zotter, PD Dr. Oliver Hellwig, Simon Cubelic, Borayin Larios

Das Projekt ist auf 15 Jahre angelegt und soll ein bislang nur auszugsweise bearbeitetes Korpus von Dokumenten und Texten zur Religions- und Rechtsgeschichte des vormodernen Nepals erschließen und es in gedruckter Form sowie digital als Datenbank zugänglich machen. Das seltene historische Material, das im Spannungsfeld zwischen Indien und Tibet sowie Hinduismus und Buddhismus entstanden und daher dem Inhalt, aber auch dem Umfang nach einzigartig ist, wurde unter anderem vom Nepal-German Manuscript Preservation Project der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft verfilmt, aber nur ansatzweise katalogisiert und bearbeitet. Es umfasst Tempeldokumente (Erlasse, Landschenkungen, Verträge, Stiftungsurkunden, Briefe etc.) und Rechtsdokumente (Urteile bezüglich sittlichen Verhaltens, Ablassbriefe, Kastenregulierungen) sowie in weitaus geringerem Umfang narrativ-eulogische Texte zu lokalen Heiligtümern. Diese Textgruppen bilden zusammenhängend die wesentliche Grundlage für die noch immer weitgehend unerforschte Geschichte zahlreicher Tempel und anderer Heiligtümer Nepals, vornehmlich des Kathmandu-Tals, aber auch für die bislang kaum erschlossene Rechtspraxis Südasiens. Darüber hinaus gibt das Material Aufschluss über die Entwicklung von Elitenkulturen, die Legitimation und Inszenierung von Herrschaft sowie den Stellenwert der Verschriftlichung und Kodifizierung von Recht im Zusammenhang ethnologisch erfasster Jurisprudenz.

2. Transcultural Legal Flows in 18th and 19th Century South Asia: Changing Ideas and Practices of Law and Legitimation in Hindu Legal Cultures

Finanzierung: DFG, Exzellenzcluster "Asien und Europa im globalen Kontext"; wiss. Mitarbeiter: Simon Cubelic, Rajan Khatiwoda

Taking early colonial Bengal (1772-c.1798 CE) and the onset of the Rāṇā rule (1846-1870 CE) in Nepal as case studies, the project aims at figuring out patterns of transformation in Hindu legal cultures in the light of the plural legal orders in early modern and early colonial South Asia. The project has three main objectives: First, to trace the potential influence of European legal concepts and forms of legitimation in different types of Hindu legal texts; second, to analyze the textual strategies employed by indigenous juridical intellectuals of the existing pre-colonial traditions of Hindu jurisprudence to cope with these new concepts and the changing legal constellations; third, to investigate the flows of legal concepts and practices from eastern India to Nepal. The project’s two main sources will be Sarvoru Śarman’s Vivādasārārṇava (1789), a scholastic ethico-juridical treatises (dharmaśāstra) from eastern India as an example for a text composed in the trans-local idiom of Sanskrit, and the Nepalese Mulukī Ain, which serves as an example for a vernacular project of codification.

3. Die nepalische Wright-Chronicle - Editio princeps, Neuübersetzung und topographischer Atlas

Finanzierung: DFG, Wiss. Mitarbeiter: Dr. Manik Bajracharya, Prof. Dr. Niels Gutschow

Die sogenannte Wright-Chronik ist eine der wenigen buddhistischen Chroniken des Nepals. Sie erfasst neben den Dynastienhistorien vornehmlich Legenden und Mythen zu verschiedenen Heiligtümern Nepals, namentlich des Kathmandutals. Die englische Übersetzung eines einheimischen Gelehrten wurde 1877 von dem Arzt Daniel Wright herausgegeben; der Originaltext ist bislang nicht erschienen. Das Projekt sieht vor, den hauptsächlich in Altnepali, Nevari und Sanskrit verfassten Text erstmalig herauszugeben, die fehler- und lückenhafte Übersetzung Wrights durch eine englische Neuübersetzung zu ersetzen und mit einem topographischen Atlas zu ergänzen, der unveröffentlichte Zeichnungen und Aquarelle aus der Zeit um 1850 sowie topographische Karten und Lagepläne auf der Grundlage eigens angestellter Vermessungen umfasst.

4. Lebenszyklische Übergangsrituale in Nepal

(Finanzierung: DFG, SFB 619, 2002 - 2013)

Ausgehend von V. Turners These, dass sich Religion vor allem in dem zeigt, was sie tut, werden Rituale als "religion in action" verstanden; methodisch wird dies dadurch berücksichtigt, dass das Studium der normativen Texte der Hochtradition (Skript) mit Feldforschung über die tatsächliche Ritualpraxis (Performanz) verbunden wird. Die spannungsvollen Beziehungen zwischen lebenszyklischen Ritualen und Modernität sind in den Gesellschaften Südasiens noch kaum erforscht. Um ein möglichst vollständiges Bild von den Adaptionsprozessen lebenszyklischer Übergangsriten zu gewinnen, sollen möglichst viele nepalische Übergangsrituale, in hochtraditionellen und lokalen Texten, in hinduistischen und buddhistischen sowie volksreligiösen Kontexten, in ihrer Lokalität, d.h. in den verschiedenen Kasten- und Volksgruppenmilieus und geschlechtsspezifisch erfasst werden. In der ersten Forschungsphase (2002-2005) wurden die Rituale des Alterns, Sterbens und der Ahnenverehrung untersucht. In der zweiten Phase (2005-2009) sollen Kindheits- und Jugendrituale erforscht werden. Die dritte Phase (2009 - 2013) soll überwiegend Hochzeitsritualen gewidmet werden, so dass auf diese Weise erstmalig alle großen hinduistischen lebenszyklischen Rituale erfasst sind. Zum Teilprojekt (2005-2009) gehören gegenwärtig folgende Mitarbeiter:

DFG Science TV: Folge 01, "Übergangsrituale in Nepal"
Video (deut., engl.) mit Prof. Axel Michaels, Prof. Niels Gutschow, Dr. Manik Bajracharya und Dr. Alexandra Heidle

5. Religiöse Karten und Divinationskarten von Benares

(1999 - 2002; Finanzierung: DFG, Wiss. Mitarbeiter: Dr. J. Gengnagel)

In erster Linie werden historische, teilweise auch moderne Stadtkarten religiösen Inhaltes untersucht werden. Den Schwerpunkt der Arbeiten bildet die Sammlung und detaillierte Auswertung von Pilger- und Divinationskarten sowie mündlicher Quellen und zeitgenössischer Pilgerbroschüren. Die bisher praktisch ungelesenen Karten werden mit einem wissenschaftlichem Apparat versehen, sämtliche auf den reich beschrifteten Bildkarten genannten Heiligtümer und Pilgerstätten werden indiziert und vor Ort lokalisiert; dies wird den Vergleich religiöser, indigener Kartographie mit topographischen Karten ermöglichen. Die umfangreichen schriftlichen Angaben und Benennung von Heiligtümern, Pilgerstätten, Tempelteichen, li gas etc. werden in Bezug gesetzt zu den Angaben in der eulogischen Sanskrit-Literatur über Benares und mit mündlichen Überlieferungstraditionen verglichen. Die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen werden im Rahmen einer Analyse indigener Konzepte räumlicher Orientierung ausgewertet.

6. Text und Kontext der Mahimâ-Dharma-Bewegung in Orissa

(Abgeschlossen; Finanzierung: DFG, Wiss. Mitarbeiter: Dr. J. Beltz)

Der Mahimâ bzw. Alekha Dharma ist eine in der Mitte des 19. Jh. entstandene Bewegung, die nahezu alles ablehnt, was den Hinduismus kennzeichnet: Götter, heilige Schriften, Götterverehrung, Tempel, Wallfahrt, Priester oder Gurus. Im Unterschied zu dem Neohinduismus ist die Bewegung aber nahezu ohne christlichen bzw. westlichen Einfluß entstanden und vor allem in den Unterschichten (landlosen Kasten, div s s, Dalits etc.) verwurzelt. Das Projekt dient dazu, erstmalig die Vielfalt der Mahim -Dharma-Texte in Orissa aufzuarbeiten, d.h. auszugsweise zu edieren, zu übersetzen und im Hinblick auf indologische und religionswissenschaftliche Probleme zu analysieren. Dabei müssen besonders folgende Problemfelder berücksichtigt werden: der pointierte Antibrahmanismus, die sozialkritische Stoßrichtung, die Identität zwischen Sekte und sozio-religiöser Bewegung, die Spannung zwischen Philosophie und der Praxis einer religiösen Sekte, die Anbindungen bzw. Abgrenzungen zu verwandten philosophischen bzw. religiösen und sozialen Richtungen des Hinduismus wie Vishnuismus (Pañcasakhâ), Bhakti, Buddhismus, Advaitavedânta, Neohinduismus oder die Dalit-Bewegungen.

7. Jüngere Rechts- und Kulturgeschichte Indiens und Nepals

Der Muluki Ain, ein Kodex aus dem Jahre 1856, wird in ausgewählten Abschnitten kritisch ediert und übersetzt.

8. Muster des Austauschs. Indiens natürliche Ressourcen in europäischen Reiseberichten vom 16. bis 18. Jahrhundert

(Abgeschlossen; Finanzierung: DFG, Exzellenzcluster "Asien und Europa im globalen Kontext"; wiss. Mitarbeiter: PD Dr. Oliver Hellwig)

Europäische Reiseberichte vom 16. bis 18. Jahrhundert sind wichtige Zeugnisse der frühen Globalisierung. Die Geschichtsforschung hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie die europäische (Geistes-)Geschichte den Inhalt dieser Berichte beeinflusst hat. Allerdings hat sie kein quantifizierbares Modell erstellt, das diese Interaktion beschreibt. Zudem hat sich die wissenschaftliche Forschung hauptsächlich mit den religiösen und gesellschaftlichen Informationen befasst, die diese Dokumente enthalten.
Im Projekt soll ein quantifizierbares Modells transkulturellen Austauschs entworfen werden, das auf Beschreibungen natürlicher Ressourcen in den Reiseberichten basiert. Diese Daten sollen statistisch mit einer Zeitachse korreliert werden, die das europäische Interessen an Indien codiert. Ziele des Projekts sind ein neuer methodologischer Ansatz zur Untersuchung transkulturellen Austauschs und eine umfassende Auswertung realienkundlicher Informationen aus den frühen europäischen Reiseberichten.

9. Religion on Stage: Traditional South Asian Performances in New Public Spheres and Media

(mit Prof. Dr. William S. Sax. Abgeschlossen; Finanzierung: DFG, Exzellenzcluster "Asien und Europa im globalen Kontext"; wiss. Mitarbeiter: Eva Ambos, Silke Bechler

New forms of transnational media have radically changed the production, consumption, and content of traditional religious performances both in Asia and Europe. The documentation of such performances has become increasingly important for the people and countries concerned, and is often related to their cultural heritage, which is thought of as a kind of cultural revitalisation, or used to represent or sell local culture to tourists and others. This process is influenced by international regulations and ideas about markets, copyright, and cultural property. Such performances are often de-contextualised, and re-appear in new contexts with remarkable additions and transformations in non-traditional spaces such as television studios, folk festivals and tourist venues. We aim to systematically and scientifically analyse this process of asymmetrical change in the public (re)presentation and "staging" of religion in Asia and Europe, focusing on live performances, films, video and audio recordings, printed images, photographs, newspapers, magazines, internet and virtual platforms. We will contribute to transcultural studies by identifying flows between Asia and Europe, having a close look at "third spaces" such as media, markets, tourism, and developing new tools for the storage and analysis of static and moving images.

10. Ontologiemodellierung für die Erforschung von Ritualstrukturen (A10)

mit Prof. Dr. Anette Franck; Finanzierung: DFG, Exzellenzcluster "Asien und Europa im globalen Kontext", wiss. Mitarbeiter: PD. Dr. Oliver Hellwig, Dipl.-Ing. Nils Reiter

Ziel des Projektes ist die Erstellung eines formalen Modells für die Repräsentation von Ritualen. Dazu wird eine ausgewählte Menge von Ritualen analysiert und mit allgemeinen und ritual-spezifischen Konzepten annotiert. Das formale Modell zur Repräsentierung von Ritualen wird auf Basis dieser Daten entwickelt. Theoretische Fragen bezüglich der Struktur und Varianz von Ritualen werden anhand des formalen Modells untersucht, praktische Probleme der Modellierung identifiziert. Die aus Ritualbeschreibungen gewonnen Abstraktionen werden im Hinblick auf ihre Eignung, trans-kulturelle Regelmäßigkeiten abzubilden, getestet.


(Email:)   Seitenbearbeiter, Studienberater,
Im Neuenheimer Feld 330, D-69120 Heidelberg
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